Fachlich geprüft am 14.10.2026 · Redaktion Steuer-Freibetrag.de · Werte gegen den Gesetzestext abgeglichen
So wird die Erbschaftsteuer berechnet
Die Erbschaftsteuer richtet sich nach dem Wert, den du erhältst, und nach deinem Verwandtschaftsverhältnis zum Verstorbenen. Zuerst ordnet § 15 ErbStG dich einer von drei Steuerklassen zu. Daraus folgt dein persönlicher Freibetrag nach § 16 ErbStG und die Spalte der Steuersatztabelle in § 19 ErbStG.
Vom Wert deines Erbteils werden steuerfreier Hausrat, die Erbfallkosten und gegebenenfalls der Pflegefreibetrag abgezogen. Was übrig bleibt, heißt Bereicherung. Davon ziehst du den persönlichen Freibetrag und bei Ehepartnern und jungen Kindern den Versorgungsfreibetrag ab. Der Rest wird auf volle 100 € abgerundet und mit einem einheitlichen Satz besteuert, der für den gesamten steuerpflichtigen Erwerb gilt. Anders als bei der Einkommensteuer gibt es keinen Stufentarif, sondern einen Sprungtarif.
Der Härteausgleich bei Wertgrenzen
Weil der Satz für den gesamten Erwerb gilt, würde ein Euro über einer Wertgrenze die Steuer sprunghaft erhöhen. Ein Beispiel in Steuerklasse I: Bei 300.000 € steuerpflichtigem Erwerb gelten 11 %, also 33.000 €. Bei 300.100 € gälten 15 % auf alles, also 45.015 €. Das verhindert § 19 Abs. 3 ErbStG: Der Mehrbetrag über die Steuer an der Grenze darf höchstens die Hälfte (bei Sätzen bis 30 %) oder drei Viertel (bei Sätzen über 30 %) des übersteigenden Betrags ausmachen.
Im Beispiel wären das 33.000 € + 50 € = 33.050 €. Der Rechner prüft den Härteausgleich automatisch und zeigt im Rechenweg, ob er greift.
Was in den Wert des Erbteils gehört
Geld und Wertpapiere zählen mit ihrem Wert am Todestag. Immobilien werden nach dem Bewertungsgesetz angesetzt, in der Regel mit dem Vergleichs-, Ertrags- oder Sachwert; bei vermieteten Wohnimmobilien bleiben nach § 13d ErbStG 10 % außer Ansatz. Betriebsvermögen kann nach §§ 13a und 13b ErbStG zu 85 % oder 100 % verschont werden, das bildet dieser Rechner nicht ab.
Schulden des Erblassers, die du übernimmst, mindern den Wert. Lebensversicherungen gehören zum Erwerb, wenn der Erblasser Versicherungsnehmer war. Nicht steuerpflichtig sind dagegen gesetzliche Hinterbliebenenrenten; sie kürzen aber den Versorgungsfreibetrag.
Steuerklassen und Freibeträge auf einen Blick
| Empfänger | Klasse | Freibetrag | Versorgung |
|---|---|---|---|
| Ehepartner oder eingetragener Lebenspartner | I | 500.000 € | 256.000 € |
| Kind (auch Adoptivkind) | I | 400.000 € | bis 52.000 € |
| Stiefkind | I | 400.000 € | bis 52.000 € |
| Enkelkind (Eltern leben) | I | 200.000 € | |
| Enkelkind, dessen Elternteil verstorben ist | I | 400.000 € | |
| Urenkel | I | 100.000 € | |
| Eltern oder Großeltern | I | 100.000 € | |
| Geschwister | II | 20.000 € | |
| Nichte oder Neffe | II | 20.000 € | |
| Stiefeltern | II | 20.000 € | |
| Schwiegerkind | II | 20.000 € | |
| Schwiegereltern | II | 20.000 € | |
| Geschiedener Ehepartner | II | 20.000 € | |
| Lebensgefährte ohne Trauschein | III | 20.000 € | |
| Freunde, Patenkind und andere | III | 20.000 € |
Beispielrechnungen
Die Tabelle zeigt die Erbschaftsteuer für typische Erbfälle. Jeder Wert führt zu einer eigenen Beispielrechnung mit Rechenweg.
| Empfänger | 100.000 € | 300.000 € | 500.000 € | 1.000.000 € | 2.000.000 € |
|---|---|---|---|---|---|
| Ehepartner oder eingetragener Lebenspartner | 0 € | 0 € | 0 € | 26.840 € | 236.360 € |
| Kind (auch Adoptivkind) | 0 € | 0 € | 11.000 € | 90.000 € | 304.000 € |
| Enkelkind (Eltern leben) | 0 € | 11.000 € | 33.000 € | 152.000 € | 342.000 € |
| Eltern oder Großeltern | 0 € | 22.000 € | 60.000 € | 171.000 € | 361.000 € |
| Geschwister | 13.750 € | 56.000 € | 120.000 € | 294.000 € | 594.000 € |
| Nichte oder Neffe | 13.750 € | 56.000 € | 120.000 € | 294.000 € | 594.000 € |
| Lebensgefährte ohne Trauschein | 24.000 € | 84.000 € | 144.000 € | 294.000 € | 594.000 € |
Häufige Fragen
Wie viel Erbschaftsteuer zahlt ein Kind bei 600.000 €?
Nach Abzug des Freibetrags von 400.000 € bleiben 200.000 € steuerpflichtig. In Steuerklasse I gilt bis 300.000 € ein Satz von 11 %, also 22.000 € Erbschaftsteuer, sofern keine weiteren Abzüge greifen.
Was ist der Unterschied zwischen Freibetrag und Versorgungsfreibetrag?
Der persönliche Freibetrag (§ 16 ErbStG) gilt für alle Erwerber je nach Verwandtschaft. Der Versorgungsfreibetrag (§ 17 ErbStG) kommt nur beim Erbe für Ehepartner (256.000 €) und Kinder bis 27 Jahre hinzu und wird um steuerfreie Hinterbliebenenbezüge gekürzt.
Müssen Erben das Erbe beim Finanzamt melden?
Ja, innerhalb von drei Monaten nach Kenntnis vom Erbfall (§ 30 ErbStG). Die Anzeige entfällt, wenn ein Testament vom Nachlassgericht eröffnet wurde und sich die Verhältnisse daraus eindeutig ergeben; Banken melden Konten ohnehin.
Wird die Erbfallkostenpauschale jedem Erben gewährt?
Das Gesetz spricht von insgesamt 15.000 € je Erbfall. Trag im Rechner deinen Anteil ein; bei Unsicherheit klärt das Finanzamt oder eine Steuerberatung die Aufteilung.
Gilt der Rechner auch für Erbschaften aus dem Ausland?
Er rechnet mit unbeschränkter Steuerpflicht in Deutschland. Bei beschränkter Steuerpflicht oder Doppelbesteuerungsabkommen gelten Sonderregeln, etwa gekürzte Freibeträge nach § 16 Abs. 2 ErbStG.
Hinweis: Diese Seite erklärt die gesetzliche Lage und rechnet nach den Formeln des Gesetzes. Sie ersetzt keine Steuer- oder Rechtsberatung im Einzelfall.
Quellen und Stand
Werte abgeglichen mit den genannten Quellen am 14.10.2026. Für 2024 und 2025 gelten die jeweils damals gültigen Gesetzesfassungen.
- § 15 ErbStG Steuerklassen abgerufen 14.10.2026
- § 16 ErbStG Freibeträge abgerufen 14.10.2026
- § 17 ErbStG Versorgungsfreibetrag abgerufen 14.10.2026
- § 19 ErbStG Steuersätze abgerufen 14.10.2026
- § 14 ErbStG Zusammenrechnung abgerufen 14.10.2026
- § 13 ErbStG Steuerbefreiungen abgerufen 14.10.2026
- § 10 ErbStG Steuerpflichtiger Erwerb abgerufen 14.10.2026
Recherche, Rechenkern und Pflege: Redaktion Steuer-Freibetrag.de. Jede Zahl prüfen wir vor Veröffentlichung von Hand gegen den Gesetzestext. Fehler gefunden? Schreib uns, wir korrigieren sichtbar.
